Radeln oder nicht – das ist hier die Frage

von Redaktion
0 Kommentieren

Die Frage, ob man radeln sollte oder eher nicht, klingt für unsere Redaktionsohren so seltsam, als ob jemand das Gehen infrage stellen würde. Fahrradfahren gehört einfach dazu, seitdem wir es können. Und war zu Schul- und Studienzeiten selbstverständlich das Fortbewegungsmittel Nr. 1 für uns und unsere Freunde. Und jetzt lesen wir im Netz, warum man es lieber sein lassen sollte.

Radeln ist gesundheitsschädlich

Wer glaubt, dieser Satz sei ein Relikt aus vergangenen Zeiten, hat sich getäuscht. Schädliche Auswirkungen auf Psyche und Körper wurden in den 1890ern prophezeit, darunter auch das „Fahrradgesicht“, das durch den starken Fahrtwind entsteht. Doch es gibt ganz aktuelle Studien, die sich vor allem auf die Sexualfunktionen beziehen. Männern drohe schwere Unfruchtbarkeit, so eine Studie eines Londoner Urologen, vor allem Mountainbikern! Und natürlich zeigt gleich die nächste Studie, dass auch Frauen nicht ungeschoren davonkommen. Der Bösewicht ist die meist zu lange Sattelnase, die die Durchblutung der empfindlichen Regionen abdrückt. Die gute Nachricht: Es gibt Sättel ohne Nase. Und es soll ein Gerücht sein, dass die Sattelnase wichtig sei, um das Gleichgewicht auf dem Fahrrad zu halten. Der nasenlose Sattel – vielleicht doch eine Alternative?

Radeln ist unschicklich

Wer sich mit der Geschichte des Radfahrens beschäftigt, findet die Annahme, Radeln sei unschicklich vor allem bei Frauen. Auch heute gib es noch Länder, in denen ihnen das Fahrradfahren verboten ist, wie der Film „Wadjda“ eindringlich schildert.

Eine Anzeige von 1897 im britischen Wochenmagazin The Graphic für Elliman’s Universal-Salbe (hergestellt in Slough). Sie zeigt ein ziemlich frühes Beispiel einer gewöhnlichen westlichen Frau, die nicht im Meer badet, aber sich trotzdem ohne Rock in der Öffentlichkeit zeigt. Sie trägt so genannte “Rationals”, Knickerbockers” oder “Bloomers”.

Fahrradfahren als ein Akt der Emanzipation. So empfanden dies unsere westlichen Vorfahren ebenfalls, als in den 1890er Jahren das Radeln bei Frauen immer beliebter wurde. Ein Argument, das für Frauen wie für Männer galt: Radeln hält die Menschen vom sonntäglichen Kirchgang ab. Und sorgt damit für den allgemeinen moralischen Verfall. Herausforderungen für Frauen, vor allem im Rennsport, gibt es aber noch heute reichlich.

Radeln ist gefährlich(er)

Viele Menschen empfinden Radeln als gefährlich. Dabei geben die Statistiken keine zuverlässige Auskunft darüber, was gefährlicher ist: Fahrradfahren, Autofahren oder zu Fuß gehen. Im Vergleich hatten Fußgänger noch 2012 in absoluten Zahlen nur halb so viele Unfälle wie Fahrradfahrer, davon endeten aber trotzdem mehr tödlich. Ist vom zu Fuß gehen abzuraten? Inzwischen haben sich die Zahlen angeglichen. Verkehrsunfälle mit PKWs führen die Statistik natürlich an, auch bei den Verkehrstoten. Leider werden die absoluten Zahlen aber nirgendwo in Bezug zur Anzahl der Verkehrsteilnehmer gesetzt, sodass keine prozentuale Angabe zu finden ist, welche Fortbewegungsart die sicherste ist.

Viele Frauen in Großbritannien fahren nicht mit dem Rad. Nicht etwa um die Frisur zu schonen, sondern weil sie Angst haben. Dies ist nicht unbegründet. Letztes Jahr berichtete der Guardian, dass in London von 13 tödlich verunglückten Radlfahrern zehn Frauen seien, da sie sich zu leicht von der Straße abdrängen ließen. Dank auch in England an abbiegende Lastwagenfahrer. Im Mai war überall zu lesen, dass die Zahl der tödlich verunglückten Fahrradfahrer in Deutschland rasant angestiegen sei. Bei immerhin 99 der 432 tödlichen Radl-Unfälle sei aber niemand sonst beteiligt gewesen. Der Grund lässt aufhorchen: die gestiegene Anzahl an Pedelecs. Menschen, die aus eigener Kraft nicht radeln könnten, wären damit unterwegs… Auf die Diskussion sind wir gespannt.

0 Kommentieren

Weitere interessante Beiträge

Hinterlasse einen Kommentar

* Durch die Nutzung dieses Formulars erklären Sie sich mit der Speicherung und Verarbeitung Ihrer Daten durch diese Website einverstanden.

Diese Website verwendet Cookies – nähere Informationen dazu und zu Ihren Rechten als Benutzer finden Sie in unserer Datenschutzerklärung am Ende der Seite. Klicken Sie auf „Ich stimme zu“, um Cookies zu akzeptieren und direkt unsere Website besuchen zu können. Ich stimme zu Mehr erfahren